Opfer von polizeilichem Hundebiss sitzt nach über 30 Jahren in Deutschland in Abschiebehaft

Am 28. April 2020 kam die Polizei in Umkirch bei Freiburg wegen eines mutmaßlich falsch geparkten Auto zu einer Roma-Familie. Ganz offensichtlich ließ die eingesetzte Streife den Einsatz damals völlig eskalieren. Ohne dass von der Familie Gewalt ausging oder dass sie bewaffnet war, ließ die Polizei einen Hund los. Dieser verbiss sich im Arm des Familienvaters Mohammed D. „Ich habe die Schnauze voll von euch“, hat ein Polizist nach Aussagen der Familie damals gesagt, was von der Familie als Antiziganismus verstanden wurde. Auch die zum Einsatz dazugekommenen PolizistInnen sollen über das Bild, das sich ihnen bot, schockiert gewesen sein.

Warum überhaupt ein Hund eingesetzt wurde, erklärte die Polizeipressesprecherin der Freiburger Polizei Laura Riske 2020: "Der Einsatz der Hundestaffel war lediglich dem Zufall geschuldet, dass diese die nächste freie Streife war und bis zum Eintreffen des Polizeireviers Breisach somit bereits vor Ort."

Mohammed D. musste aufgrund der Hundebisse mehrere Stunden lang notoperiert werden. Glücklicherweise überlebte er.

2020 äußerte sich auch der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, zu dem Fall und kritisierte das vollkommen unverhältnismäßige Vorgehen der Polizei: „Dieser Vorfall muss lückenlos aufgeklärt werden, damit das Vertrauen unserer Minderheit in die Polizei nicht beschädigt wird. Sollten die Vorwürfe zutreffen, hätten wir es mit Fällen von gefährlicher oder schwerer Körperverletzung und Nötigung zu tun. Sollte die Annahme der Strafanzeige dieses Vorfalls durch die Freiburger Polizei tatsächlich verweigert worden sein, besteht zudem der Verdacht der versuchten Strafvereitelung im Amt durch weitere Polizeibeamte.“

Aufgeklärt wurde der Fall allerdings nie. In allen Instanzen sah die jeweilige Staatsanwaltschaft kein öffentliches Interesse ein Gerichtsverfahren zu eröffnen.

Stattdessen wurde das Opfer des polizeilichen Hundebisses nun am 28. Januar 2026 festgenommen und sitzt in der Abschiebehaftanstalt in Pforzheim. Und das obwohl Mohammed D. seit über 30 Jahren in Deutschland lebt. Mohammed D. soll in den Kosovo abgeschoben werden. Damit würde die Aufklärung des damaligen Polizeieinsatzes wohl für immer verhindert werden. Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Fall durch die Abschiebung endlich erledigt werden soll.

Wir fordern:

Bleiberecht für Mohammed D. und weiterhin eine Aufklärung der mutmaßlichen Polizeigewalt.

Ein Betroffenenbericht aus dem Jahr 2020 findet sich unter:

https://www.facebook.com/reel/4282556151758158

Roma Büro Freiburg 01.02.2026


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